Persönlichkeiten

Helene Weber

Helene Weber wurde in (Wuppertal)-Elberfeld als zweite von sechs Kindern geboren. Nach dem Besuch der Volksschule und der höheren Töchterschule begann sie 1897 ein Lehrerinnen - Bildungsseminar in Aachen. Im Jahr 1900 machte sie dort ihr Examen und war danach als Volksschullehrerin in Haaren bei Aachen und ihrem Heimatort Elberfeld tätig.

Seit 1905 studierte sie in Bonn und später Grenoble Geschichte, Philosophie, Romanistik und Sozialpolitik. Damit erhielt sie die Lehrbefähigung für mittlere und höhere Schulen. In Bochum arbeitete sie im Jahr 1909 als Studienrätin am Städtischen Lyzeum und Oberlyzeum. Ab 1911 lehrte sie an der Kaiserin-Augusta- Schule in Köln. In den Jahren 1916-1919 war sie vom Schuldienst beurlaubt.

Am 8. November 1916 wurde die Soziale Frauenschule des katholischen Deutschen Frauenbundes in Köln eröffnet. Sie wurde von Helene Weber geleitet. Im selben Jahr entstand der Verein der katholischen Sozialbeamtinnen unter dem Vorsitz von Helene Weber. 1917 führte sie die Redaktion der Zeitschrift "Mitteilungen".

Bei den Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung am 19. Januar 1919 kandidierte Helene Weber für die Zentrumspartei im Wahlkreis Düsseldorf. Zusätzlich wurde sie 1919 in das Preußische Ministerium für Volkswohlfahrt berufen.

Bis 1920 war sie Mitglied der verfassungsgebenden Nationalversammlung. Bis 1933 arbeitete sie darüber hinaus als Ministerialrätin für die Leitung des Dezernates "Soziale Ausbildung".
Von 1922 bis 1924 war sie Mitglied des preußischen Landtages und von 1924 bis 1933 Reichtagsabgeordnete der deutschen Zentrumspartei.
Im Jahre 1929 wurde sie Mitglied im Verwaltungsrat der Reich- Forschungsgesellschaft.
1930 erhielt sie durch die Universität Münster den Ehrendoktor der Staatswissenschaften.
Am 30. Juni 1933 wurden ihr alle politischen Aktivitäten mit einer fristlosen Entlassung aus Staatsdiensten "wegen politischer Unzuverlässigkeit" untersagt.

In den Jahren bis 1943 übte sie mehrere Fürsorge- und Caritasdienste in Berlin aus. Weil ihr Haus zerstört worden war, aber auch, um sich der Gestapo zu entziehen, zog sie 1943 zu ihrer Schwester nach Marburg. 1945 siedelt Helene Weber nach Essen über. Ein Jahr später wurde sie Mitglied im Nordrhein-Westfälischen Landtag. Bis 1948 war sie zusätzlich Mitglied des Zonenbeirates.

Am 14.8.1949 war sie im Wahlkreis Aachen Stadt für die Bundestagswahl Kandidatin der CDU. 1956 erhielt sie für ihr zahlreiches soziales Engagement das große Bundesverdienstkreuz. Das Schulterband zum großen Bundesverdienstkreuz erhielt sie dann im März 1961.
Helene Weber verstarb nach längerer Krankheit am 25. Juli in Bonn.

BUCHTIPP
Ernte eines Lebens
Helene Weber
Helene Weber hat zweimal in ihrem Leben an der Gestaltung einer demokratischen Grundordnung mitfgewirkt. 1919 als Mitglied der Nationalversammlung an der deutschen Reichsverfassung und 1949 im Parlamentarischen Rat am Grundgesetz. Ihr politisches Engagement als Abgeordnete und als Ministerialrätin im Preußischen Wohlfahrtsministerium, ihr verborgenes Wirken während der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten und ihr Einsatz beim demokratischen Aufbau der Bundesrepublik spiegeln sich wider in den Beiträgen, die aus Anlaß ihres 80. Geburtstages am 17. März 1961 von ihren Weggefährten dieser Epoche niedergeschrieben worden sind.