SÁPMI

Leben im Norden Skandinaviens früher und heute
 

 

Der Landrechtskampf der schwedischen Sami

Landrechtskonflikte bedrohen die traditionelle Lebensweise der Sámi in Schweden. Die Sámi (früher Lappen genannt) sind die Urbevölkerung Nordskandinaviens. In Schweden leben heute etwa 3000 Sámi von der Rentierhaltung. Es gibt ca. 230.000 Rentiere, verteilt auf 52 Sámigemeinden. 12 Sámigemeinden stehen heute in 7 Verfahren vor Gericht. Sie sind von privaten Waldbesitzern angeklagt worden, die keine Rentiere in ihren Wäldern dulden wollen und den Sámi die traditionellen Winterweiderechte verweigern. In keinem dieser Verfahren haben die Sámi Chancen zu gewinnen. Für den ersten Prozeß, den die Sámi verloren haben, mußten sie bereits 2,5 Millionen DM bezahlen. Ohne das Recht auf Winterweide gibt es keine Zukunft für die Rentierhaltung. Die Prozesse stellen eine existentielle Bedrohung für die rentierhaltende Sámikultur dar!

Olof und Torvald, das Rentier (Olof T Johansson)

Abb 1.: Olof und Torvald das Rentier (Photo: Archiv Olof Johansson)

Land right conflicts threaten traditional Sámi culture in Sweden. The Sámi are the indigenous people of Northern Scandinavia. Today about 3.000 Swedish Sámi rely on reindeer herding for their livelihood. There are about 230.000 reindeer counted, distributed amongst 52 Sámi communities. Today 12 Sámi communities are in court in seven different court cases. They have been sued by small private land owners, who refuse access to reindeer on their forested land. The Sámi are likely to lose in all court cases. As of today the court costs for the first process, which the Sámi lost completely, amount to £ 1.000.000. Without traditional winter grazing rights in the forests, the Sámi can not continue with reindeer herding. The trials can be the end of the reindeer herding Sámi culture!

Soweit also der Text einer Aktionspostkarte der Rentiergemeinde Tåssåsen (1999). Genauer gesagt, geht es um folgendes: Als 1886 die Weiderrechte der Sami gesetzlich verankert wurden, hat es keine Karte als Anlage zum Gesetz gegeben, es hieß, Streitfälle sollen von den Gerichten entschieden werden. Genau dieses passiert zur Zeit. Das große Problem der Sami ist, dass sie keine schriftlichen Dokumente vorlegen können, die langjährige Nutzung bezeugen – die samische Kultur war eben eine schriftlose. Auch das Argument, dass ohne die Waldwinterweide die Rene gar nicht überleben können, zieht vor Gericht nicht. Dabei ist die Größe der Winterweide der limitierende Faktor für die Herdengröße.

Es geht aber nicht allein um die Sami: Im Zuge einer Umstellung auf umweltschonende Forstwirtschaft können sich Waldbesitzer vom Forest Stewardship Coucil (FSC) zertifizieren lassen. Mit diesem weltweiten Öko-Siegel müssen auch die Rechte der indigenen Völker und der lokalen Kommunen beachtet werden. Während große und staatliche Unternehmen die Zertifizierung anstreben oder zumindest die Rechte der Sami respektieren, wollen Privatwaldbesitzer ein eigenes Öko-Siegel einführen, das freilich die Rechte der Sami nicht garantieren würde. Nach Meinung eines befreundeten angehenden Diplom-Holzwirtes werden aber auch die Privatwaldbesitzer nicht um das FSC-Siegel herumkommen. Nur wenn sie die Sami vor der Zertifizierung aus den Wäldern vertreiben, müssen sie auch später keine Rücksicht nehmen – die Chancen für eine gütliche Einigung sind also gering, Hoffnung gründet sich auf neue, samifreundlichere Gesetze, die aber noch längst nicht erlassen sind (z. B. die Umsetzung der ILO-Konvention 169).

Die Sami wollen die Wälder nicht für sich allein haben, aber sie möchten ihre Interessen gleichberechtigt neben denen der Forstwirte sehen.

Der geneigte Leser möge sich über das FSC-Siegel informieren und entsprechende Produkte verlangen. Darüberhinaus kann man Geld für die Prozeßkosten spenden, indem man ein Rentier adoptiert.

Ein weiterer Dauerkonflikt zwischen Schweden und Sami ist die Regelung der Kleinwildjagd. 2003 hat die Sami-Gemeinde Tåssåsen als Pilotprojekt die Verwaltung der Jagdrechte für ihr Gebiet übernommen. Mehr…

 

© Hanjo Schlüter, Östersund & Jokkmokk 1999.