Das schwedische Jedermannsrecht


übernommen vom Staatlichen Schwedischen Amt für Umweltschutz © 1996



Das Recht zum Gemeingebrauch


Rechte & Pflichten in der Natur:
Erläuterungen zum schwedischen Allemansrätt. Das Allemansrätt, ein traditionelles Recht zum Gemeingebrauch, regelt den Aufenthalt in Schwedens Natur. Unter Einhaltung der Bestimmungen können auch ausländische Besucher den Duft der Blumen, den Gesang der Vögel, das üppige Blühen der Wiesen, die Stille der Wälder und das Glitzern unserer Seen erleben. Dabei gilt es, behutsam mit der Natur umzugehen und Rücksicht gegenüber Mitmenschen und Tieren walten zu lassen.

Nicht stören - nicht zerstören, so lautet die einfache Faustregel dieses Rechtes. Die einzelnen Bestimmungen werden nachfolgend erläutert.

Respektieren Sie den Hausfrieden!
In der Natur dürfen Sie wandern, Fahrrad fahren, reiten und Ski fahren, wenn dadurch Saaten, Schonungen und dergleichen keinen Schaden nehmen. Sie dürfen jedoch nicht ohne Erlaubnis ein privates Hausgrundstück queren oder sich darauf aufhalten, denn dies gilt in Schweden als Hausfriedensbruch.
Unter einem Hausgrundstück ist der engere Bereich um ein Wohn- oder Ferienhaus zu verstehen, der nicht unbedingt eingezäunt sein muß. Hier haben die Besitzer den berechtigten Anspruch, nicht gestört zu werden. Ist das Haus nicht vor Einblicken geschützt, muß es in besonders großem Abstand passiert werden. Und keinesfalls darf der Grundstückseigentümer in seinen Tätigkeiten behindert werden.
Von Reitern wird besondere Vorsicht verlangt, da das Flurschadenrisiko entsprechend hoch ist. Dies gilt vor allem für das Reiten in der Gruppe. Es ist verboten, auf gekennzeichneten Trimm-dich-Pfaden, Loipen, Wanderwegen oder über weichen, empfindlichen Untergrund zu reiten. Auch durch Mountainbiking können Schäden verursacht werden, eine besondere Vorsicht ist daher auch hierbei geboten. Eingefriedetes Weideland darf nur überquert werden, wenn dabei weder die Umzäunung beschädigt, noch das Vieh in irgendeiner Weise gestört wird. Vergessen Sie nie, die Gatter wieder zu schließen, damit die Tiere nicht entlaufen können.


Im Gelände sind Motorfahrzeuge verboten!
Verboten ist es, mit Auto, Wohnmobil, Motorrad, Moped oder anderen Motorfahrzeugen im Gelände zu fahren - das Allemansrätt schafft hier keine Ausnahmeregelung. Auch Privatstraßen und -wege sind für motorgetriebene Fahrzeuge gesperrt. Ein solches Verbot ist durch Schilder mit Aufschriften wie "Förbud mot trafik med motordrivet fordon", "Enskild väg" oder auf andere Weise gekennzeichnet.
Das Parken am Straßenrand ist im allgemeinen erlaubt, solange dabei nicht gegen Verkehrsregeln verstoßen wird, Grundeigentümer gestört werden oder kein Schaden an Grund und Boden entsteht. Parken Sie bitte so, daß Sie niemanden gefährden oder behindern.

Camping
Dem Einzelnen ist es erlaubt, in Schwedens Natur ohne Einwilligung des Grundbesitzers eine Nacht zu zelten, sofern sich der Standort nicht auf einer landwirtschaftlichen Nutzfläche oder in der Nähe eines Wohn- oder Ferienhauses befindet. Gruppen benötigen zum Lagern und Zelten in jedem Fall die Erlaubnis des Grundeigentümers! Wollen Sie in Sichtweite eines Hauses zelten oder länger als eine Nacht an einem Standort bleiben, müssen Sie ebenfalls die Erlaubnis des Eigentümers einholen. Besondere Rücksichtnahme ist beim Campen mit Wohnwagen oder Wohnmobil geboten. Am besten, Sie nutzen den hohen Komfort der naturnahen schwedischen Campingplätze - so vermeiden Sie Konflikte mit Grundeigentümern.

Lagerfeuer
Lagerfeuer sind nur dann erlaubt, wenn keine Flächen- oder Waldbrandgefahr besteht. Bei Trockenheit wird ein allgemeines Feuerverbot erlassen. In Naturreservaten und Nationalparks sind Lagerfeuer meist gänzlich verboten. Erkundigen Sie sich daher vor einem Outdoor-Aufenthalt im nächstgelegenen Touristenbüro! Löschen Sie Ihr Feuer sorgfältig, bevor Sie Ihren Lagerplatz verlassen. Sollte sich Ihr Feuer ausbreiten, haften Sie allein für den entstehenden Schaden!
Machen Sie niemals Feuer auf Felsen oder Klippen. Die Hitze läßt diese bersten, und es entstehen nicht wiedergutzumachende Schäden.


Lassen Sie keine Abfälle zurück!
Sie dürfen in der Natur keinerlei Unrat zurücklassen. Zudem bilden Glas, Dosen und Verschlüsse eine Gefahr für Mensch und Tier. Auch können Plastiktüten bei Tieren zu qualvollem Verenden führen, wenn sie mit der Nahrung aufgenommen werden. Nach dem Zelten oder Picknick muß der Platz sauber hinterlassen werden. Und: Stellen Sie niemals Ihre Abfalltüte neben einen vollen Abfallbehälter!

Früchte der Natur
Es ist verboten, Äste, Zweige, Laub, Rinde, Eicheln, Nüsse oder Harz von lebenden Bäumen oder Sträuchern zu entnehmen, abzubrechen oder abzureißen. Selbstverständlich ist es erst recht verboten, lebende Bäume oder Sträucher zu fällen.
Erlaubt ist es hingegen, wilde Blumen und Beeren zu pflücken, Pilze zu sammeln und herabgefallene Zweige und Reisig aufzulesen. Bestimmte Pflanzen stehen jedoch unter Naturschutz, weil ihr Bestand gefährdet ist. Solche Pflanzen dürfen unter keinen Umständen gepflückt werden! So sind beispielsweise in Schweden alle Orchideenarten geschützt. Informieren Sie sich bitte in den örtlichen Touristenbüros.

Baden und Boot fahren
Sie dürfen baden, eine Nacht mit einem Boot an fremden Ufern anlegen und an Land gehen. Dies gilt jedoch nicht für Haus- und Ferienhausgrundstücke oder Gebiete mit behördlichem Zutrittsverbot, z.B. Vogel- oder Robbenschutzgebiete. Im übrigen gelten dieselben Regeln wie beim Camping. Ein Festmachen an Privatstegen ist nur in Notfällen gestattet.

Seen, Fließgewässer und Meere dürfen mit Booten befahren werden. Beachten Sie lokale Vorschriften wie z.B. Geschwindigkeitsbegrenzungen, Zutrittsverbote o.ä. Von Motorbootfahrern wird besondere Rücksichtnahme erwartet! Das Fahren mit Wasser-Skootern stört Mensch und Tier über Gebühr und schädigt Fauna und Flora. Eine Benutzung von Wasser-Skootern ist deshalb in Schweden generell verboten; nur für wenige, von den Provinzialregierungen freigegebene Gewässerabschnitte gelten Ausnahmen. Nähere Informationen erteilt die jeweilige Provinzialregierung (Länsstyrelsen).


Hunde
Ihr Hund darf Sie in die Natur begleiten, allerdings herrscht vom 1. März bis zum 20. August Leinenzwang. In dieser Zeit benötigen die Wildtiere absolute Ruhe; selbst der friedlichste Hund kann dann durch seine bloße Anwesenheit großen Schaden anrichten. Auch in der Zeit ohne Leinenzwang muß der Hund so beaufsichtigt werden, daß er weder Mensch noch Tier stört noch ihnen Schaden zufügt.

Angeln und Jagd
Das Allemansrätt schließt weder das Angeln noch die Jagd ein. Sie dürfen jedoch mit üblichem Sportangelgerät an allen Meeresküsten und in den fünf größten Seen Schwedens (Vänern, Vättern, Mälaren, Hjälmaren und Storsjön) lizenzfrei angeln, wobei das Lachsangeln an der Küste Norrlands hiervon ausgenommen ist. Für alle anderen Gewässer benötigen Sie einen Angelschein (fiskekort). Informieren Sie sich bitte rechtzeitig über die lokalen Bestimmungen. Lassen Sie niemals Angelleinen oder -haken in der Natur zurück, diese können zu qualvoll-tödlichen Fallen für Tiere werden.

Lassen Sie Baue, Nester und Nisthöhlen sowie Jungtiere unbehelligt. Die Mitnahme von Vogeleiern ist streng verboten, der Tatbestand wird als Wilderei gewertet. Alle wildlebenden Säugetiere und Vögel stehen unter Naturschutz und dürfen nur gemäß den Bestimmungen des schwedischen Jagdgesetzes von Jagdscheininhabern bejagt werden.

 

Feuerstellen und das Recht zum Gemeingebrauch

"Wir haben den Waldbrand nicht entfacht. Wir haben nur ein klitzekleines Feuerchen am Waldrand angezündet."

Feuer hat den Menschen schon immer fasziniert. Ein prasselndes Lagerfeuer verleiht dem Leben unter freiem Himmel das gewisse Extra. Es kann aber auch zu einer Katastrophe führen, wenn man damit zu nachlässig umgeht. Das Recht zum Gemeingebrauch berechtigt nicht dazu, uneingeschränkt Lagerfeuer zu machen, es besagt nur, daß ein Feuer unter sicheren Umständen erlaubt ist.

Im Sommer ist meist jegliches Feuermachen verboten
Im Sommer herrscht wegen der hohen Waldbrandgefahr oft ein Verbot für jegliche Art von Feuer. Informationen hierzu erhalten Sie aus den lokalen Rundfunknachrichten, den Verkehrsdurchsagen und der lokalen Presse. Oft können Sie diese Angaben auch auf Campingplätzen, von Touristikbüros und vom Rettungsdienst der Gemeinde bekommen. Einige Gemeinden informieren auch telefonisch über die Brandgefahren. Schlagen Sie unter "Feuerwehr" oder "Rettungsdienst" in den Grünen Seiten des Telefonbuchs nach. Die Brandgefahrwerte sind in einer fünfteiligen Skala angegeben, bei der 4 und 5 häufig absolutes Verbot für Feuer bedeutet! In diesem Fall ist jegliches offenes Feuer verboten! Dies gilt auch für vorhandene Feuerstellen, die von der Leitung der örtlichen Rettungseinheit nicht genehmigt wurden. Nur Kohlegrills und Campingkocher dürfen verwendet werden.


Wenn Sie ein Feuer machen

Verwenden Sie nach Möglichkeit einen Campingkocher. Sollten Sie dennoch ein Feuer machen, ist die Wahl des Platzes von entscheidender Bedeutung. Kies- oder Sandböden in Wassernähe eignen sich am besten. Achten Sie auf die Windverhältnisse, da die Funken leicht auf die Bäume überspringen können. Machen Sie einen Graben um das Feuer oder legen Sie Steine rundherum, und halten Sie das Feuer möglichst klein. Bei starkem Wind sollten Sie gar kein Feuer machen! Legen Sie die Feuerstelle nicht auf Torfböden oder bemoosten Flächen an. Auch erdiger Waldboden birgt besonders große Brandgefahr. Hier kann das Feuer im Boden weiter schwelen und später erneut aufflammen. Schließlich sollte auch auf Feuer in der Nähe von Ameisenhügeln oder bei Baumstümpfen verzichtet werden. Feuer auf glatten Felsen kann diese verfärben, bersten lassen und dadurch zerstören. Die Feuerstelle ist kein Mülleimer. Werfen Sie keinen Abfall ins Feuer, sondern werfen Sie den Abfall in die dafür vorgesehenen Vorrichtungen. Als Zündmaterial können Sie auf dem Boden liegende Äste, Zweige und Tannenzapfen verwenden. Reißen Sie jedoch niemals Äste oder Zweige von gesunden Bäumen ab.

So machen Sie das Feuer aus
Lassen Sie das Feuer völlig ausbrennen. Ersticken Sie das Feuer mit Wasser und wenden Sie die Asche mehrmals, so daß die Glut erlischt. Graben Sie den Boden unter der Asche um, so daß keine Glut und kein Rauch mehr vorhanden ist. Hierfür sollten Sie immer eine kleine Schaufel und einen Wassereimer griffbereit haben.

Wenn sich das Feuer ausbreitet
Falls Sie die Kontrolle über das Feuer verlieren, sollten Sie - wenn möglich - schnellstens den Rettungsdienst über 112 anrufen. Versuchen Sie das Feuer in Windrichtung zu stoppen. Verwenden Sie zum Ausschlagen Zweige von kleinen Nadelbäumen oder -büschen. Diese sind mindestens einen Meter unter der Krone abzureißen. Nadelbäume eignen sich hierfür besser als Laubbäume. Am günstigsten ist es, wenn die Zweige angefeuchtet werden können. Schlagen Sie nicht zu stark, da dies die Funken aufwirbelt, und das Feuer so verstärkt wird. Material, das Feuer gefangen hat, ist nach Möglichkeit in das Feuer zu werfen. Drücken Sie die zum Ausschlagen verwendeten Zweige zum Boden, um das Feuer zu ersticken. Entfernen Sie jegliches trockenes Baummaterial und Moosflächen vor dem Feuer.


Wenn die Kleidung Feuer fängt

Wenn Ihre eigene Kleidung Feuer fängt, sofort auf den Boden legen und hin- und herrollen. Brennt die Kleidung einer anderen Person, legen Sie sie auf den Boden. Ersticken Sie das Feuer mit einer Decke oder Jacke. Beginnen Sie von Kopf abwärts, so daß die Flammen nicht das Gesicht berühren. Beachten Sie, daß synthetisches Material sich entzünden oder schmilzen kann, und damit die Verbrennungen noch verschlimmert werden. Glühende Kleidung und Verbrennungen sind sofort mit Wasser zu kühlen. Versuchen Sie nicht, Kleidung, die sich in die Haut gebrannt hat, zu entfernen. Kühlen Sie so lange, bis eine Linderung der Schmerzen eintritt (ca. 10 Min.). Arzt aufsuchen.

Beim Zelten zu beachten
Offenes Feuer oder glühende Kohle im Zelt oder Vorzelt sind absolut verboten! Das Zelt überhitzt sich schnell, und es entstehen stark giftige Gase. Sie sollten immer ein Messer griffbereit haben, um schnell aus dem Zelt zu gelangen. Gießen Sie niemals Zündflüssigkeit in den Brenner des Campingkochers, bevor Sie sichergestellt haben, daß das Feuer ausgebrannt und der Brenner abgekühlt ist. Ist dies nicht der Fall, kann sich die Flüssigkeit in der Flasche entzünden und starke Verbrennungen verursachen. Auf dem Zeltplatz ist immer genügend Abstand zwischen den Zelten, Wohnwagen und Wohnmobilen zu halten, um die Brandgefahr zu verringern (möglichst 4 m). Grills, Kochplatten u.ä. sollten in einen Mindestabstand von 1 m zu der Zeltplane stehen. Schläuche und Anschlüsse zum Kocher sollten fehlerfrei und korrekt montiert sein und auf Leckage überprüft werden. Sie sollten darüber informiert sein, wo sich Feuerlösch- und Alarmvorrichtungen befinden.

© 1996 Schwedisches Staatliches Amt für Umweltschutz.